Oliver Riedwyl: «Die Fussballwelt ist manchmal surreal»

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Für Winterhalter + Fenner ist er der heimliche Star der Schweizer Fussballnationalmannschaft: Oliver Riedwyl ist seit vier Jahren für die Kondition der Schweizer Fussballnationalmannschaft verantwortlich. Im Interview erzählt der ehemalige Kundenberater von Winterhalter + Fenner über
seine Tätigkeiten und Erlebnisse.

Wie geht es dir? Erzähl uns etwas aus deinem Arbeitsalltag als Konditionstrainer der Nationalmannschaft!
Oliver Riedwyl: Momentan bin ich im Nationalen Sportzentrum in Magglingen sehr engagiert. Von November bis März bin ich für die Spitzensport-Rekrutenschule der Fussballer verantwortlich, wobei ich auch dort als Konditionstrainer tätig bin. Dort trainieren die talentiertesten Spieler individuell mit mir. Zum anderen hatte ich mit der Planung für die Matches der Schweizer Fussballnationalmannschaft gegen Griechenland und Panama sehr viel zu tun. Auch die Vorbereitung für Russland läuft auf Hochtouren.

Was musst du beispielsweise für Testspiele vorbereiten?
Ich unterbreite dem Nationaltrainer Vladimir Petkovic einen Planungsvorschlag mit gewissen Steuerungsinhalten. Die Spieler
brauchen eine gewisse Belastungssteuerung, damit sie am Tag X – beispielsweise gegen Brasilien – die bestmögliche Performance an den Tag legen können. Durch das brauchen sie Erholungsphasen und Abschnitte, in denen sie intensiver trainieren müssen. Am Schluss entscheidet aber der Nationaltrainer, ob mein Vorschlag so umgesetzt wird. Er fordert mich täglich und ist auch kritisch. Für mich ist es eine Bereicherung, dass ich mit einem Mann mit einem solchen Palmares zusammenarbeiten darf.


Wie wurdest du überhaupt zum Konditionstrainer der Schweizer Nationalmannschaft?
Nebst meiner Arbeit als Kundenberater habe ich alle notwendigen Sportdiplome gemacht. Ich bin dann in Projekte des Schweizerischen Fussballverbands reingerutscht. Das war sehr spannend und entwickelte sich immer weiter. Eines Tages bekam ich die konkrete Anfrage für ganz nach oben: Die Fussballwelt ist manchmal surreal. Meine Erinnerungen an die Zeit bei Winterhalter + Fenner sind dennoch wahnsinnig positiv.

Was hat sich bei dir in deinem Joballtag verändert?
Nicht viel. Nach wie vor arbeite ich sehr gerne mit Menschen zusammen und versuche die Vision zu vermitteln, dass wir zusammen Wege beschreiten und uns täglich verbessern können. Es gibt sehr viele Parallelen bezüglich der Betriebswirtschaft und des Sports. Von meiner Zeit als Kundenberater konnte ich für meinen jetzigen Job viel mitnehmen.

Wie ist es für dich, mit unseren Fussballstars zusammenzuarbeiten?
Man steht etwas mehr im medialen Fokus. Ich bin immer noch der gleiche wie früher und nehme meine Verantwortung wahr. In der Regel ist der Konditions- oder Athletiktrainer nicht gerade der Favorit im Themenbereich der Fussballer. Für die Spieler ist es spannender, wenn sie mehr mit dem Ball oder in spielerischen Formen arbeiten können. Nichtsdestotrotz machen die Spieler sehr gut mit, sind fleissig. Sie wissen, wie wichtig der physische Teil im Sport ist. Die Fussballer werden von der Öffentlichkeit als Stars wahrgenommen, aber sie sind auch nur Menschen. Sie mögen es, wenn man ehrlich und korrekt mit ihnen umgeht.

Musst du die Spieler manchmal auch tadeln?
Ich versuche eine klare Linie zu fahren und versuche mit meiner Qualitätsanforderung sehr konsequent zu bleiben. Manchmal werde ich sehr konkret – vielleicht auch ein bisschen lauter. Ich möchte von jedem Einzelnen das Maximum rausholen. Mit halben Sachen bin ich nicht zufrieden: Das gilt auch für mich selbst.

Am 17. Juni spielt die Schweiz in der Rostow Arena gegen Brasilien. Ist das für dich ein Traumlos?
Mein Sohn ist schweizerisch-brasilianischer Doppelbürger. Nur schon aus diesem Grund ist diese Begegnung für mich und meine Familie etwas Spezielles. Für die Spieler ist es aber sicher ein Traumlos. Es ist klar: Wir gehen in diesen Match und wollen auch dort Punkte holen.

Bekommst du nach einem Spiel der Nationalmannschaft viele
Rückmeldungen?

Wir sind rund 8,5 Millionen Einwohner in der Schweiz und fast jeder nimmt sich das Recht, der beste Nationaltrainer zu sein! Ich erhalte viele Rückmeldungen von Bekannten oder ehemaligen Arbeitskollegen – häufig bringen sie mich auch zum Schmunzeln.

Welche Mannschaften sind für dich die WM-Favoriten?
Häufig ist es matchentscheidend, wie man in ein Turnier startet. Es sind die üblichen Verdächtigen, die infrage kommen: Deutschland, Argentinien, Spanien und Brasilien. Wenn man mal im Flow ist, kann man sich kontinuierlich steigern. Wir werden aber nicht einfach nach Russland fahren, damit wir dabei gewesen waren. Wir wollen etwas bewegen und werden alles Nötige dafür tun, damit wir am Turnier eine Rolle spielen.

Bevor Oliver Riedwyl ins nationale Fussballgeschäft eingestiegen ist, arbeitete er zuvor zehn Jahre bei Winterhalter + Fenner als Kundenberater in der Region Bern. Heute ist der 42-Jährige Verantwortlicher Konditionstrainer der Schweizer Herren A-Nationalmannschaft im Fussball.